MEIN JULI/AUGUST-GEDICHT 
 




   


Der Irre hält sich für geheilt

 

Alarm auf der Geschlossenen.

Hier sind die ganz Verdrossenen.

Die Kunde durch die Gänge eilt:

Der Irre hält sich für geheilt.

 

Der Speichel trieft. Die Hände zucken.

Die Füße auf dem Teppich rucken.

Die Augen blicken ganz verpeilt.

Der Irre hält sich für geheilt.

 

Er möchte keine Pillen mehr.

Er setzt sich ganz massiv zur Wehr.

Er hat sich auf normal gestylt…

Der Irre hält sich für geheilt.

 

Das EEG spricht glatt dagegen.

Kongresse tagen seinetwegen.

Von allen Seiten eingekeilt,

ruft er beseelt: „Ich bin geheilt!“

 

 
In seinem Fall betreutes Wohnen

liegt weit im Reich der Illusionen.

Am Gitter hat er rumgefeilt

und hält sich für total geheilt.

 

Es  steigt die Zahl seiner Absencen.

Es sinken die Genesungschancen.

Und Frau und Kinder steh`n verheult.

Der Irre hält sich für geheilt.

 

„Was wär` die Menschheit ohne Buntheit?

Was ist schon seelische Gesundheit?

Erklärt mir mal, was irre ist!

Was ihr da redet, ist doch Mist!“

 

Und wenn er nur ein wenig ruht,

so  werde alles wieder gut.

Sein Bettuch, es ist ganz zerknäult.

Der Irre hält sich für…

Der Irre denkt , er ist…

Der Irre glaubt, er sei…

Der Irre sagt:

„Ich bin…“

 

Das ist schon oft der Fall gewesen:

Ein Irrer glaubt, er sei genesen.